DIN-Normen und Stoff-Kennwerte beim Sonnenschutz
Schwer entflammbar, lichtecht, reibecht – hinter jedem guten Sonnenschutzstoff stehen prüfbare Normen und ein Datenblatt mit Kennwerten. Hier schlüsseln wir beides auf: die wichtigsten DIN-Normen und wie Sie Reflexion, Transmission, Absorption und g-total richtig lesen.
Bild KI generiert Warum Normen beim Sonnenschutz zählen
DIN ist die Abkürzung für Deutsches Institut für Normung. Auch für Sonnenschutz und Sichtschutz gibt es eine Reihe von DIN-Normen – sie machen Eigenschaften vergleichbar, die man dem Stoff nicht ansieht: Wie verhält sich ein Gewebe im Brandfall? Wie lange bleibt eine Farbe unter Sonnenlicht stabil? Und was muss eine Anlage können, die einen Raum wirklich verdunkeln soll?
Die folgende Liste ist ein Auszug der Normen, die Ihnen beim Stoff- und Produktkauf am häufigsten begegnen – von Brandschutz über Lichtechtheit bis zur Verdunkelung.
Die wichtigsten DIN-Normen für den Sonnenschutz
DIN 4102 A2 und B1 – Brandverhalten von Baustoffen
Die DIN 4102 klassifiziert das Brandverhalten von Baustoffen. Für Sonnenschutz-Textilien sind zwei Klassen relevant: A2 steht für nicht brennbare Baustoffe – sie brennen bei einer Beflammung nicht, sondern schmelzen nur langsam, ohne eigene Flammen zu entwickeln. Äußerlich glimmen sie lediglich, glühen aber nicht, und es entstehen keine zündbaren toxischen Gase. B1 umfasst schwer entflammbare Baustoffe, deren Abbrennen in kurzer Zeit verhindert wird.
In der Praxis begegnet Ihnen B1 vor allem bei Geweben mit Trevira CS – einem eingetragenen Warenzeichen der Trevira GmbH & Co. KG. Es steht für eine vollsynthetische Faser auf Polyesterbasis, die schwer entflammbar ist, weil diese Komponente chemisch in das Gewebe eingebaut wurde.
DIN 53438 K1 – Brennklassen für Textilien
Nach dieser Norm werden Brennklassen für Textilien ermittelt: Die Prüfung beflammt die Hinterkante des Stoffs, klassifiziert wird über die Zeit zwischen dem Anbrennen und dem Durchbrennen der Oberkante.
DIN 54003 und DIN 54004 – Lichtechtheit
Beide Normen bestimmen die Lichtechtheit von Materialien, also die Widerstandsfähigkeit gefärbter oder bedruckter Textilien gegen Lichteinwirkung: die ältere DIN 54003 mit Tageslicht, die neuere DIN 54004 mit Xenonlicht. Bewertet wird auf einer Skala von 1 bis 8 – Note 1 steht für geringe, Note 8 für die höchste Lichtechtheit. Erfahrungswert aus der Praxis: Hellere Farbtöne verändern sich unter Lichteinwirkung schneller als dunklere.
DIN 54021 – Reibechtheit
Diese Norm bestimmt die Reibechtheit von Sonnenschutz-Materialien. Das Prüfverfahren misst die Widerstandsfähigkeit gefärbter und bedruckter Sonnenschutz- und Sichtschutz-Textilien gegen Abreiben und Abfärben. Eingeteilt wird in die Noten 1 bis 5: Note 1 steht für geringe, Note 5 für hohe Reibechtheit.
DIN 5035-7 – Licht am Bildschirmarbeitsplatz
Die DIN 5035 Teil 7 befasst sich mit der Begrenzung von Reflexionen an Bildschirmarbeitsplätzen: Sie stellt lichttechnische Anforderungen an den Arbeitsplatz und an die Gestaltung der Räume.
Welcher arbeitsrechtliche Rahmen dazugehört und was die Norm konkret für den Blendschutz am Monitor bedeutet, zeigt unser Ratgeber Sonnenschutz am Bildschirmarbeitsplatz.
DIN 18073 – Anforderung bei Verdunkelung
Soll eine Anlage einen Raum verdunkeln, genügt der lichtdichte Stoff allein nicht: Nach DIN 18073 muss bei Verdunkelungsanlagen eine Ablaufleiste (Rutschleiste) in voller Breite vorhanden sein, damit der Behang unten lichtdicht abschließt.
Wie Verdunkelung am Fenster in der Praxis gelingt – inklusive seitlichem Lichteinfall – erklärt der Ratgeber Verdunkelnde Rollos.
Stoff-Kennwerte lesen: Reflexion, Transmission, Absorption, g-total
Neben den Normen trägt jeder unserer Rollostoffe auf seiner Produktseite ein kleines Datenblatt mit physikalischen Kennwerten. Reflexion, Transmission und Absorption beschreiben, was mit dem Sonnenlicht passiert, das auf den Stoff trifft – diese drei Strahlungsanteile ergeben zusammen immer 100 %. Der Wert g-total gehört nicht zu dieser Bilanz: Er bewertet nicht das Gewebe allein, sondern das Fenster als Ganzes. Als Lesebeispiel dient hier der Rollostoff Riva 3260 (100 % Polyester, 110 g/qm):
| Kennwert | Das sagt er aus | Beispiel Riva 3260 |
|---|---|---|
| Reflexion | Anteil der Sonnenstrahlung, den der Stoff zurückwirft – 100 % wäre vollkommene Reflexion | 29 % |
| Transmission | Anteil, der durch das Gewebe hindurch in den Raum gelangt | 71 % |
| Absorption | Anteil, den der Stoff selbst aufnimmt – 100 % wäre totale Absorption, 0 % keine | 0 % |
| g-total | Gesamtenergiedurchlassgrad des Systems aus Verglasung und Behang – kein vierter Anteil der Bilanz oben. Er zählt auch die Wärme mit, die ein Stoff zuerst aufnimmt und dann nach innen abgibt; je kleiner der Wert, desto stärker die Wärmeschutzwirkung | 0,46 |
Immer dessinbezogen lesen: Die Kennwerte gelten je Dessin – schon eine andere Farbe derselben Serie kann andere Werte haben. Sie finden die Angaben deshalb auf jeder einzelnen Stoff-Produktseite. Und das Datenblatt sagt es selbst: Alle Werte sind ermittelte Durchschnittswerte und können innerhalb der handelsüblichen Toleranz abweichen.
Stoffe mit Datenblatt: vier Beispiele aus der Kollektion
Datenblatt gelesen – und jetzt der passende Stoff?
Wenn Sie unsicher sind, welche Norm oder welcher Kennwert für Ihr Fenster zählt, helfen wir persönlich weiter: telefonisch unter +49 (0) 3606 5062500 oder über das Kontaktformular.
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